Heilkunst der Völven – Kräutermedizin auf hohem Niveau

Heilkunst der VölvenDie Völven waren auch als Heilerinnen tätig, insofern kann man durchaus von der Heilkunst der Völven sprechen. Vermutlich haben sie sich jedoch auf kleinere Verletzungen bis hin zu Knochenbrüchen und Verrenkungen beschränkt. Wie vieles andere, so wurde auch das Wissen über die Heilkunst der Völven mündlich überliefert. Daher liegen uns nur relativ wenige Kenntnisse darüber vor.

Heute haben sich manche Völven auf Kräutermedizin spezialisiert. Sie nutzen überlieferte Weisheiten ebenso, wie moderne Erkenntnisse. Sie stellen Salben und Tinkturen her, bei denen die einzelnen Inhalts- und Wirkstoffe genau bekannt sind. Die Praxis gestaltet sich jedoch recht schwierig. Die durchaus sinnvollen Einschränkungen durch rechtliche Regelungen verhindern, dass Pfuscher mit der Leichtgläubigkeit oder auch Verzweiflung von kranken Menschen Geschäfte machen. Leider wird dadurch auch die Arbeit fähiger Heiler und Heilerinnen erschwert.

Heilsalbe

Überliefert ist eine Grundrezeptur für eine Heilsalbe, bei der für verschiedene Anwendungen einfach der Pflanzliche Anteil ausgetauscht wird. Als Trägersubstanz dient Schmalz von Geflügel (Hühner, Enten oder Gänse), aber auch vom Schwein. Später wurde auch Ziegenbutter verwendet.

Das Grundrezept ist denkbar einfach. Schmalz und getrocknete Pflanzen werden im Verhältnis 1:1 gemischt. Auf die Menge von ca. 75 ml kann dann noch ein Teelöffel Bienenwachs hinzugefügt werden. Heute wird statt Schmalz Ziegenbutter oder Kokosfett verwendet und das Bienenwachs meist weggelassen. Es dient ohnehin nur der besseren Festigkeit. Wird die Salbe im Kühlschrank aufbewahrt, ist Bienenwachs ohnehin nicht erforderlich.

Die Pflanzenbestandteile werden bei Zimmertemperatur getrocknet und anschließend zerkleinert. In luftdicht verschlossenen Behältern sind sie mehrere Monate haltbar.

Zubereitung

Das Trägermaterial (Schmalz, Ziegenbutter oder Kokosfett) wird auf über 70°C erhitzt und verflüssigt, darf aber nicht kochen. Dann wird die gleiche Menge an getrockneten und zerkleinerten Pflanzen hinzugefügt. Unter ständigem Rühren bleibt die Mischung für ca. eine Stunde bei über 70°C. Die Mischung wird dann durch ein Tuch oder auch einen Kaffeefilter gegossen und in kleine Gläser mit Schraubdeckel gefüllt. Darin lässt man sie abkühlen, verschließt dann die Gläser und lagert sie kühl und dunkel. Im Kühlschrank aufbewahrt ist die Salbe ein bis zwei Jahre haltbar.

In älteren Aufzeichnungen wird empfohlen, während der ganzen Prozedur die Wanengöttin Freyja um Beistand zu bitten. Nach dem 18. Jahrhundert heißt es jedoch: „Wenn die Heilkunst der Frau (der Völva) nicht genüge, so möge sie die Göttin nicht mit ihrer Unfähigkeit belästigen.“

Anwendung (Beispiele)

Echte Kamille (Matricaria chamomilla): Erntezeit der Blütenkörbchen von Mai bis September. Anwendung bei Blähungen, Haut- und Schleimhautentzündungen sowie Menstruationsbeschwerden.
Hundsrose (Rosa canina): Erntezeit der Früchte (Hagebutten) im Spätherbst. Anwendung der getrockneten Schale bei Blasen- und Nierenleiden und bei Erkältungskrankheiten.
Schwarzer Holunder (Sambucus nigra): Erntezeit der Blüten von Mai bis Juni. Anwendung bei Erkältung und Fieber.
Sommerlinde (Tilia platyphyllos): Erntezeit der Blüten im Juni bis maximal fünf Tage nach dem Aufblühen. Anwendung bei Rheuma, Nierenentzündung, Rücken- oder Kreuzschmerzen (Hexenschuss).
Spitzwegerich (Plantago lanceolata): Erntezeit der Blätter ganzjährig. Anwendung bei Entzündungen der Haut, Insektenstichen, oberflächlichen Hautverletzungen.
Weiden (alle Arten): Erntezeit der Borke (Rinde) von März bis September. Anwendung bei Rheuma und Fieber, wirkt Schmerzlindernd.
Zitterpappel (Populus tremula) und Schwarz-Pappel (Populus nigra): Erntezeit der Knospen je nach Witterung im Februar/März, jedoch bevor sie sich öffnen. Anwendung bei Rheuma und Gelenkschmerzen, leichten Verbrennungen (Sonnenbrand), Nervenschmerzen und Insektenstichen.
Eine ähnliche Rezeptur mit den Knospen von Balsam-Pappeln ist auch von dem griechischen Arzt Galenos von Pergamon aus dem 2. Jahrhundert überliefert.


Bild: „Medicine Man, Performing His Mysteries over a Dying Man“ von George Catlin (1794-1872) | Lizenz: CC-by-sa-3.0
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