Freyja – göttliche Freigiebigkeit und Freizügigkeit

FreyjaFreyja ist die Göttin der Fruchtbarkeit und des Frühlings, des Glücks, der Liebe und der Ehe, sowie die Lehrerin des Zaubers (seiðr). Ihre Hauptaufgabe ist es, Lehrerin und Anführerin der Walküren zu sein. Daher darf sie die Hälfte der Einherjer, der gefallenen Helden, für sich beanspruchen, während Odin die andere Hälfte zusteht.

Freyja ist auch Schirmherrin und Lehrerin der Völven. Selten jedoch nimmt sie diese Aufgabe persönlich wahr. Eine Gruppe von Walküren, die sogenannten Pferdefrauen, sind selbst Völven. Ihnen hat Freyja die Aufgabe übertragen, Frauen auf Midgard in ihrer Kunst zu unterweisen. Völven werden auch als die Priesterinnen Freyjas bezeichnet.

Freyja in der Mythologie

Die Wanengöttin besitzt die Halskette Brísingamen und einen Umhang aus Falkenfedern, mit dem man sich in einen Vogel verwandeln kann. Sie fährt in einem Wagen, der von zwei Waldkatzen gezogen wird. Oft wird sie von dem Eber Hildisvíni begleitet, auf dem sie auch manchmal reitet.

Freyja regiert über ihr himmlisches Feld, Fólkvangr, wo sie die Hälfte der Einherjer empfängt. Sie wird in Fragen der Fruchtbarkeit und Liebe angerufen und leiht anderen Göttern gerne ihren Falkenumhang. Freyjas Ehemann, der Gott Óðr, ist häufig abwesend weshalb sie so oft vor Kummer weint. Fallen ihre Tränen auf Stein, so werden sie zu Gold. Fallen sie ins Wasser, so wird aus ihnen Bernstein. Selbst in ihrem Leid schenkt sie so den Menschen noch Reichtümer. Sie wird als diejenige unter den Göttern beschrieben, die den Menschen am meisten zugetan ist.

Brísingamen

Eines Tages traf Freyja vier Zwerge, die eine Halskette schmiedeten. Diese war so wunderschön und voller Magie, dass die Zwerge sofort erkannten, dass sie nur von Freyja getragen werden sollte. Auch die Wanin wollte diese Kette unbedingt haben. Sie feilschte mit den Zwergen, doch diese wollten weder Silber noch Gold. Der einzige Preis, den sie akzeptierten, war eine Liebesnacht der Göttin mit jedem von ihnen. Letztendlich stimmte Freyja zu und bekam so die Halskette.

Loki erfuhr davon und erzählte es Odin. Dieser beauftragte ihn, die Halkette zu stehlen und zu ihm zu bringen. Loki verwandelte sich in eine Fliege, um in das Gemach der Wanin eindringen zu können. Dort stahl er die Kette und brachte sie Odin.

Am nächsten Morgen erwachte Freyja und sah, dass die Türen zu ihrem Gemach offen, das Schloss jedoch unbeschädigt war. Sofort eilte sie zu Odin und forderte ihren Halsschmuck zurück. Odin sagte jedoch, dass sie ihn angesichts der Art und Weise, wie sie ihn erhalten habe, niemals zurückbekommen würde. Nur wenn sie zwei Könige unter den Menschen fände, die jeweils über zwanzig Könige regieren und unter ihnen einen Krieg anzetteln würde. Freyja stimmte zu und bekam Brísingamen zurück.

Lokasenna

Der den Asen und Wanen freundlich gesonnene Meeresriese Ägir richtete ein Fest für die Götter. Seine Halle war eine Friedenshalle, niemand durfte sich dort gegen einen anderen wenden. Loki brach dieses Gebot und schmähte in seinen Zankreden alle Göttinnen und Götter. Freyja warf er vor, mit jedem der Anwesenden und mit jeder mythischen Gestalt schon sexuellen Verkehr gehabt zu haben. Die Wanin ließ sich das jedoch nicht gefallen. Sie griff ihrerseits Loki an und machte ihn lächerlich. Der Streit wurde sehr aggressiv und lautstark geführt, doch Freyja ließ sich von Loki nicht einschüchtern und zahlte ihm jede Schmähung doppelt heim. Dieser Streit führte zum endgültigen Bruch der Götter mit Loki.

Folgen der Christianisierung

Im Zuge der Christianisierung wurde versucht, die alten Götter zu dämonisieren. Unter der Herrschaft einer Religion, in der eine asexuelle Jungfrau das Ideal einer Frau darstellte, bot Freyja ein leichtes Ziel. Sie wurde als Hure dargestellt und ihre Taten zum Wohle der Menschen wurden der Jungfrau Maria zugesprochen.

Die selbstbewusste und sexuell selbstbestimmt lebende Freyja wurde dennoch nie vergessen. Sie war und ist ein Vorbild für viele Frauen, die in patriarchalischen Gesellschaften leben. Heute gewinnt sie als Schutzgöttin der Völven wieder zunehmend an Bedeutung.


Bild: James Doyle Penrose (1862-1932) | PD
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