Isländersagas – Realistische Schilderungen des Lebens

IsländersagasDie literarische Form der Isländersagas entwickelte sich aus der heroischen Poesie altgermanischer Heldenlieder, wie sie in den Dichtungen der Lieder-Edda überliefert sind. Phantastische Elemente sind kaum enthalten, es handelt sich weitgehend um realistische Schilderungen.

Bild: Seite der Njáls saga © PD

Njáls saga

Die Njáls saga, oft auch Brennu Njáls saga genannt, ist eine der bekanntesten und beliebtesten Isländersagas. Brenna ist dabei die Bezeichnung für eine Form des Mordes durch Brandstiftung und erscheint als Motiv auch in anderen Sagas.

Eine Fehde zwischen den ehemals befreundeten Familien von Njáll Þórgeirsson und seiner Frau Bergþóra Skarpheðinsdóttir in Bergþórshvóll einerseits und Gunnar Hámundarson und dessen Frau Hallgerður Höskuldsdóttir auf Hlíðarendi andererseits führt dazu, dass Njáll das Haus über dem Kopf angezündet wird.

Verfasst wurde die Njáls saga von einem unbekannten Autor vermutlich zwischen 1270 und 1290. Sie wurde in 19 mittelalterlichen Handschriften und Fragmenten überliefert; dazu kommen noch fünf Pergamenthandschriften aus der Zeit um 1600 und aus dem 17. Jahrhundert.

Saga von Gunnlaug Schlangenzunge

Gunnlaugs saga ormstungu (Die Saga von Gunnlaug Schlangenzunge) ist eine Biographie aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts über den isländischen Skalden Gunnlaugr ormstunga Illugason, der um 1000 gelebt hat, und gehört zu den sechs Skaldenbiographien. Sie schildert dabei die isländische Häuptlingsgesellschaft dieser Zeit.

Die Hauptmotive der Saga sind unglückliche Liebe und erbitterter Hass.

Die Saga gilt als die „literarischste“ aller Sagas. Der unbekannte Dichter gestaltete aus dem historischen Stoff ein dichtes und tragisches Dreiecks-Drama. Die Verwandtschaft zur älteren Egils saga, in deren Schatten sie steht, ist unverkennbar. In der Saga ist häufig von Gedichten die Rede, die die Helden aus dem Stegreif von sich geben. Einige werden auch zitiert. Schlüsselszenen werden von bedeutungsvollen Träumen angekündigt. Schicksal und Verhängnis beherrschen das Geschehen.

Hrafnkatla

Die Hrafnkels saga Freysgoða (kurz Hrafnkatla) ist eine der kürzeren Isländersagas (Íslendinga sögur) und trotzdem eine der bedeutendsten. Sie wurde anonym in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts verfasst.

Neben den christlichen Werten äußert sich die Hrafnkels saga zu einigen altisländischen kulturellen Überzeugungen:

  • Freyfaxi und den Pferdekult, über rituelles Reiten und die Divination mittels des Wiehern heiliger Pferde;
  • Die Stellung des Freyskultes im vorchristlichen Island;
  • Die Verpflichtung des Goðentums Tempel zu gründen und zu unterhalten und den jeweiligen Kulten vorzustehen;
  • Die Aufhängung Hrafnkells und sieben seiner Leute mittels eines Seils, das ihm durch die Fersen gezogen wird, erinnert an die Art der Óðinns-Verehrung durch Hängen.

Einige der Isländersagas bieten wir zum kostenlosen Download im PDF-Format an (Deutsch und Englisch).