Völven und Eulen – eine besondere Beziehung

Völven und EulenEulen symbolisieren Weisheit und Erkenntnis. Sie stehen für unbeirrbare Intuition, den Blick auf die verborgenen Zusammenhänge und das Verständnis des Zusammenspiels aller Ebenen des Seins. Völven und Eulen verbindet eine ganz besondere Beziehung.

Die Eule als Krafttier hilft, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und sich nicht von Belanglosigkeiten ablenken zu lassen. Hamingjas in der Gestalt von Eulen lehren die geheimen Zauber der Völven. Doch diese Hamingjas erscheinen nicht aus eigenem Antrieb, sie müssen gerufen werden. Dazu schmücken Völven ihren Stab mit Federn, Gewöllen, Krallen, Schnäbeln oder Knochen von Eulen. Da es einer Völva verboten ist, einen Vogel zu töten, handelt es sich dabei immer um Fundstücke. Von einer Völva wird erwartet, dass sie bestimmte Eulen in ihrem näheren Umfeld kennt. Sie weiß, wo die Tiere ihre Jungen aufziehen, kennt jede Baumhöhle und Warte. So ist es für sie ein Leichtes, Federn und Gewölle zu sammeln.

Das Ritual

Um eine Hamingja in Gestalt einer Eule zu rufen begibt sich die Völva vor Sonnenuntergang zu einer Quelle im Wald oder in der Nähe eines Waldes. Dort reinigt sie in Sichtweite der Quelle einen passenden, etwas höher gelegenen Platz. Ein Erdhügel, Stein oder Baumstamm bietet sich dazu an. Mit einem Krug schöpft sie Wasser aus der Quelle und besprengt damit mittels eines Birkenzweiges den Opferplatz um ihn zu reinigen. Um den Platz zu herum legt sie Blumen als Schmuck und in die Mitte einen Stein für die Opfergabe. (Letzteres entfällt, wenn als Opferplatz ohnehin ein Stein ausgewählt wurde.) Bevor der Opferplatz nicht gereinigt wurde, darf die Völva nicht sprechen. (Siehe auch Brunnenkult)

Völven und EulenNach der Überlieferung ist als nächstes die rituelle Tötung eines kleinen Säugetieres vorgeschrieben. Es soll sich dabei um ein in der Gegend häufig vorkommendes Tier handeln, damit es zum üblichen Beuteschema der Eulen passt. Das Blut dieses Tieres wird dabei über den Stein verteilt und der Kadaver als Opfer auf dem Stein abgelegt. Siehe dazu die Anmerkung unten.

Dann nimmt die Völva das gut getrocknete Gewölle einer Eule und zerpflückt es. Aus den darin enthaltenen Knochen wird vor das Fleischopfer die Form eines X für die Rune Gebo gelegt. Mit den vorgeschriebenen rituellen Worten bittet die Völva dabei, dass eine Hamingja in Gestalt einer Eule ihr Opfer annehmen möge. Gebo steht für Fruchtbarkeit, Partnerschaft und Harmonie. Die Bedeutung der Rune ist „Gabe“ oder „Geschenk“. Das ist es auch, was durch diese Handlung ausgedrückt werden soll. Ein Geschenk zum Beginn einer harmonischen Partnerschaft.

Weiteres Vorgehen

Spätestens zu Sonnenuntergang zieht die Völva sich von dem Opferplatz zurück und sucht sich in Sichtweite des Opfers einen Platz zum Warten. Dort bleibt sie, bis entweder das Opfer von einer Eule angenommen wurde, von einem anderen Tier entwendet wurde oder die Sonne wieder aufgeht. Wurde das Opfer nicht von einer Eule angenommen, muss das Ritual wiederholt werden.

Wird das Opfer angenommen so wartet die Völva, bis die Eule sich wieder entfernt hat. Dann begibt sie sich zum Opferplatz und ritzt dort die Rune Gebo in ihren Stab. Die Ritzung wird mit etwas Blut des Opfertieres eingefärbt. In der Quelle wird ein Streifen Leder eingeweicht und über die Rune um den Stab gewickelt und verknotet. Die Rune unterliegt der Gebrauchsweihe. Dadurch wird die Hamingja fest an den Stab und damit auch an die Völva gebunden.

Anmerkung

Nach dem Tierschutzgesetz ist das „Töten eines Wirbeltieres ohne vernünftigen Grund“ unter Strafe gestellt und es ist nicht anzunehmen, dass ein Ritual der Völven als „vernünftiger Grund“ gewertet wird. (Vergl. hierzu Tierschutzgesetz) Es ist völlig in Ordnung, wenn ein Stück passendes Fleisch mitgebracht wird. Etwas Blut von dem Opfertier ist jedoch unbedingt erforderlich!


Siehe dazu auch den Beitrag Hamingja.
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